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Saarbrücker Zeitung

15. September 2008, Nr. 216, Seite A7

Automobil-Logistiker treffen sich zu ihrem Saarbrücker Herbstkongress

Zum sechsten Mal findet in Saarbrücken der Herbstkongress über den Einsatz der Informationstechnologie (IT) in der Automobilproduktion statt. Erwartet werden
150 Teilnehmer aus der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie.


Von SZ-Mitarbeiter
Udo Rau

Saarbrücken. Die globale Automobilindustrie befindet sich in einem extremen Wettbewerb: Hochlohnstandorte wie Deutschland sehen sich dem Entstehen neuer Produktionsstätten etwa in den künftigen Mega-Märkten Indien und China mit ihren Preisvorteilen gegenüber. Die Käufer wollen möglichst wenig für ihr Auto bezahlen. Die Hersteller versuchen einerseits über höhere Produktivität und andererseits über niedrigere Preise bei ihren Zulieferern die Kosten zu drücken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Vor diesem Hintergrund findet der diesjährige Saarbrücken Herbstkongress des Netzwerks AKJ (17. und 18. September) statt, in dem sich Fachleute von Autofirmen und deren Zulieferer zusammengeschlossen haben. Das Motto des Kongresses lautet „Mehr Transparenz, mehr Eskalation, mehr Ergebnis“. „Die Gewinnaussichten der Autohersteller, Zulieferer und Dienstleister trüben sich ein. Sie verschärfen ihren Sparkurs und sind gezwungen, noch intensiver als bisher schlummernde Potenziale zu erschließen. Innovationen müssen sie noch schneller und sicherer auf den Weg zur Marktreife bringen“, sagt der Saarbrücker Automobillogistik-Experte Professor Klaus-J. Schmidt. Er ist Inhaber des „Instituts für Produktions- und Logistiksysteme Prof. Schmidt“ (IPL, Saarbrücken), das den Kongress federführend ausrichtet.

Mittlerweile beobachtet Experte Schmidt eine Rückkehr etlicher Zulieferer nach Deutschland, die ihre Produktion aus reinen Kostengründen verlagert haben: „Bei einem Lohnanteil von unter 20 bis 30 Prozent lohnt sich das nicht mehr.“ Denn Löhne und Lohnzusatzkosten sowie Transportkosten „steigen auch andernorts an“. Nicht zurück kommen zwangsläufig jene Zulieferer, die den Herstellern im Rahmen von Zuliefererparks vor das Werkstor gefolgt sind. Da die Prozesse immer komplexer werden und reine Preisdrückerei der Zulieferer seitens der Autohersteller auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, geht es nur miteinander. Der raue Umgangston früherer Jahre ist einem rational bestimmten Miteinander gewichen. Denn: „Gute Systemzulieferer tauscht man nicht von heute auf morgen aus.

Es gibt durchaus ein gewachsenes Selbstbewusstsein der Zulieferer gegenüber den Autoherstellern, früher war das meist umgekehrt“, beobachtet Schmidt. In der Verbesserung der Lieferbeziehungen und der -abläufe („Supply chain management“) zwischen Zulieferer und Hersteller „liegt noch viel Potenzial“, sagt der Auto-Professor. Die Wege dorthin sollen in Saarbrücken diskutiert werden. „Wir schauen aber auch über den Tellerrand“, sagt Schmidt und hat Logistikexperten des Schweizer Lebensmittelkonzerns Hero (zu dem etwa die deutsche Marke Schwartau gehört) eingeladen. Vielleicht kann die Autoproduktion von der Produktion von Marmelade, Müsliriegeln und Fruchterzeugnissen ja etwas lernen. Besichtigungen der betrieblichen Praxis stehen bei Ford in Saarlouis, Terex in Zweibrücken und Smart/Magna in Hambach auf dem Programm.

Das soll einmal ein Smart werden.

Die Teilnehmer des Saarbrücker AKJ-Herbstkongresses haben die Gelegenheit zu sehen, wie der "Bonsai-Benz" im lothringischen Werk bei Hambach zusammengebaut wird. Foto: Smart

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