Saarbrücker Zeitung
5. März 2008, Nr. 55, Seite A9
Die Zukunft der Automobil-Logistik: 24. Kongress des Netzwerkes AKJ Automotive
Heute und morgen wird Saarbrücken wieder zum Mekka der Logistik-Experten europäischer Autobauer sowie deren Zulieferer. Gefragt: Wettbewerbsfähigkeit trotz Globalisierung.
Von SZ-Redakteur
Udo Rau
Saarbrücken. Die saarländische Landeshauptstadt gilt in der Branche mittlerweile als erste Adresse in Sachen Logistik für Autohersteller, Automobil-Zulieferer und deren Dienstleister. Rund 300 Experten der Branche, die im Saarland mit Abstand die meisten Industriearbeitsplätze stellt, treffen sich zum Lernen und Erfahrungsaustausch. Welche neuen Trends gibt es in der Autoproduktion? Wie können die europäischen Fabriken angesichts der zunehmenden Globali-sierung vor allem auch im Zulie-fererbereich wettbewerbsfähiger gemacht werden? Wie lassen sich Zulieferströme und deren Prozesse besser und kostengünstiger steuern? Am Ende nämlich soll ein in Europa gebautes Auto für den Kunden immer noch bezahlbar bleiben.
Gefordert sind alle am Entstehen eines Fahrzeuges Beteiligten: die Menschen, die Zulieferer und schließlich das Montagewerk.
„Die Kosten stehen im Mittelpunkt. Prinzipiell ist in jedem Prozess immer noch Luft drin, denn wir können unsere Wettbewerbsfähigkeit nur mit permanenter Verbesserung behalten“, sagt Professor Klaus-J. Schmidt (Foto: SZ), Vorsitzender des den Kongress veranstaltenden AKJ (Arbeitskreis Just-in-time) Automotive und Leiter des Instituts für Produktions- und Logistiksysteme (IPL) in Saarbrücken. Also geht es um Kostensenkungen.
Klaus-J. Schmidt
Die Autohersteller habe stets die Zulieferer, von denen sie immer komplexere Lösungen zu noch niedrigeren Preisen erwarten, im Visier. Die Folge: massive Forderungen nach Preissenkungen der Autohersteller an ihre Zulieferer. „Der Ton im Umgang miteinander ist wieder ruppiger geworden“, beobachtet Logistik-Experte Schmidt. „Globalisierung aber ist nicht nur Herausforderung, sondern auch eine Chance für die Branche“, so Schmidt. Es gehe darum, herauszufinden, wie „die immer globaler strukturierter Prozesse der Herstellung so beschleunigt und optimiert werden können, dass der größer werdende Innovations- und Produktivitätsrückstand im Vergleich zu den Besten der Branche aufgeholt wird“.
Für die westeuropäischen Hersteller liegt die Konkurrenz in Osteuropa direkt vor der Haustür. Schmidt: „Dort wird mächtig aufgerüstet.“ Allerdings prüften trotz niedrigerer, aber auf der Zeitachse auch steigender Löhne in Osteuropa, die Unternehmen eine Verlagerung heute schon sehr genau. Löhne seien nur die eine Seite der Medaille. „Schwere Zuliefer-Teile durch Europa zu transportieren, kostet schließlich auch Geld“, so Schmidt.
Neben der Theorie darf natürlich auch die Praxis nicht fehlen: Für die Kongressteilnehmer stehen Werksbesuche bei Bosch in Homburg, Ford in Saarlouis, Opel/GM Powertrain in Kaiserslautern, Smart/Magna/Continental im Smart-Werk Hambach und bei ZF Getriebe in Saarbrücken auf dem Programm.
Im Internet:
» www.akjnet.de
Alle Rechte vorbehalten. (c) Saarbrücker Zeitung, Verlag und Druckerei GmbH, Saarbrücken
Zur Verfügung gestellt von www.saarbruecker-zeitung.de.
